Prinzengarde

Historie

1932 – 2020 Die Prinzengarde Sr. Tollität ist “8×11 Jahre”

Zum Jubiläum der Prinzengarde im Jahre 1998, dem 66-jährigen der Garde, ist ihre Geschichte fortgeschrieben worden. In Erinnerung und zu Ehren unseres Ehrenkommandanten und Mitbegründers der Stolberger Prinzengarde, unseres unvergessenen Heinrich Weber, der im Jahre 1999 im Alter von 93 Jahren verstorben ist, ist die von ihm verfasste Chronik aus dem Jahre 1998 wörtlich übernommen worden. Damit für immer seine frohe, lebensbejahende und kameradschaftliche Ar lebendig bleiben.

Heinrich Weber schrieb 1998:
 “Die Prinzengarde Sr. Tollität, eine frohe, schmucke und traditionsreiche Formation der Stolberger Karnevals-Gesellschaft “Erste Große”, feiert in diesem Jahre Jubiläum. Ihre Geburt im Jahre 1932 fiel in eine Zeit der Not, denn Folgen der Weltwirtschaftskrise waren noch nicht behoben und karnevalistische Veranstaltungen in der Öffentlichkeit deshalb verboten – es war die Zeit, in der in Stolberg mangels eines Prinzen der Printenmann Nikolaus I. regierte – umsomehr suchten viele Bürgerinnen und Bürger einen Ausgleich im fröhlichen Karnevalstreiben, das in Gaststätten und Sälen stattfand. 

Auch wie bei anderen Karnevals-Gesellschaften in unserer Stadt hatte die Prinzengarde eine vorgeburtliche Geschichte, eben eine Schwangerschafts-Zeit. Und diese begann im Jahre 1930, als unser unvergessener Joe Ganser als Joe I. den närrischen Thron bestiegen hatte, stellten sich Mitglieder des Kegelclubs “Pudelei” Sr. Tollität als Leibgarde zur Verfügung. In alten wilhelminischen Uniformen und umgeschnallten Papp-Pferdchen zogen sie als “Berittene” den Prinzen eskortierend im Rosenmontagszug mit. 

Als im Jahre 1931 Peter Offergeld als Pietro I. das närrische Zepter über Stolberg schwang, gaben ihm bereits zehn aktive Mitglieder der “Ersten Großen” das Ehrengeleit in Wallenstein-Kostümen. Diese bis dahin etwas “ungeordneten Haufen” verlangten nach einem närrischen Reglement, und zwar als Formation der “Ersten Großen”, deren Hauptaufgabe darin bestand, des Prinzen ständiger Begleiter zu sein.

Das ist übrigens bis heute so geblieben und soll auch in Zukunft so sein. So gründeten also im Jahre 1932 acht wackere Karnevalisten die Prinzengarde Sr. Tollität. Auf der Gründungsversammlung wurde auch die Hierarchie festgelegt: 

Franz Schumacher, Kommandant 
Leo Derichs, Tanzmariechen 
Adolf Creutz, Tanzoffizier 
Franz Nagelschmitz, Fahnenträger 
Ferry de Fries, Offizier der Garde 
Peter Beißel, Offizier der Garde 
Josef Beißel, Offizier der Garde 
Heinz Weber, Offizier der Garde 

Karnevalisten, und erst recht eine Prinzengarde, brauchen eine Uniform, um in sinniger Anspielung auf übertriebenen Stattskult in Uniform ein närrisches Gegengewicht zu bilden, um also zu persifilieren. So plante man für die Garde die noch heutige Karnevals-Uniform nach dem Vorbild einer der vielen Varianten der Husarenkleidung aus der Zeit der Freiheitskriege im 2. Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts:

Der Rock rot-gold, also in unseren Stadtfarben, kornblumenblau die Hose, über den Sinn dieser Farbe wird bis heute spekuliert. So konnten bereits im Januar 1932 die ersten acht Uniformen bei der großen Gala-Sitzung im Scheuf’chen Saale mit berechtigtem Stolz vorgeführt werden, nachdem man sich vorher mit “Ketchenburger” und Els den gehörigen Mut angetrunken hatte – auch eine Tradition, der bis heute gefolgt wird. 

Das Auftreten der schneidigen Prinzengarde mit viel Tschingbum und Trara, mit Fahnenschwenken und Säbelklirren, mit Stippe-Föttche und Mariechentanz wurde schnell in Stolberg, aber auch über die Grenzen unserer Vaterstadt hinaus eine Attraktion bei vielen karnevalistischen Veranstaltungen. 

Leider setzte der zweite Weltkrieg jedem karnevalistischen Treiben ein jähes Ende. 

Als Jüll der I., Julius Gehlen, 1948 – der vielumjubelte erste Nachkriegs-Prinz – den närrischen Thron bestieg, kramte auch die Prinzengarde ihre noch vorhandenen Uniformen aus der Mottenkiste hervor und brachte sie soweit als möglich auf “Hochglanz”. Ferry de Fries übernahm das Kommando. Sein Sohn Dieter wurde Tanzoffizier und studierte mit Lu Degen unter den Klängen des altvertrauten Pepita-Marsches den Marie-chen-Tanz mit viel Liebe zur Sache neu ein. Alles klappte vorzüglich, und in den Annalen des Archives steht zu lesen: 

1948 
Erstmals wieder im Ornat! 
Junge, junge war das ein Staat! 
Alles rief: Alaaf, Hurra! 
Die “Erste Große” ist wieder da!

Durch großzügige Stiftungen erhielt die Prinzengarde im Laufe der Zeit eine große Trommel, ein Paar Becken, sogar einen Tambourstab. Hans Fischer (Piep-Piep) wurde neuer Tambour-Major. Diese Instrumente gaben Veranlassung, ein ganzes Show-Orchester mit 
Papp-Maché-Instrumenten zu gründen. Der geniale Dirigent fand sich in Julius Gehlen. 

Wie sehr dieses “Orchester”, bei dem als Schlagzeug ein Waschbrett diente, gefiel, mag aus folgender Zeitungsnotiz ersichtlich sein: Dirigent Jüll Gehlen und das Papp-Maché-Orchester spielten den “Badenweiler Vogelsänger” immer besser! Um die “Kriegstüchtigkeit” der Garde vollständig zu machen, wurde die Stiftung einer Wehrmachts-Gulasch-Kanone sehr begrüßt. Die Gulasch-Kanone ist heute noch im Einsatz.

Im Jahre 1957 beim Silber-Jubiläum der Prinzengarde erhielt der Kommandant aus der Hand des Bürgermeisters 
Kuckelkorn – “van osse leeve Benn” – einen Marschallstab mit Widmung. Er wurde hierbei zum Stadtkommandanten für die drei tollen Tage mit höchster Befehlsgewalt ernannt. Inzwischen wurden ältere Gardisten in den Ruhestand versetzt und jüngere Kameraden kamen hinzu. Auch die Prinzen-Mariechen und ihre Tanz-Offiziere wechselten. 
Zu ihrer Erinnerung mit einem Dank an viele schöne Stunden ihre Namen: 

  • 1930–1936: Leo Derichs (männliches Mariechen)
  • 1937: Jean Breuer (männliches Mariechen)
  • 1938–1948: Lu Degen
  • 1949: Marlies Lennarts
  • 1950–1952: Ingetraud Joust
  • 1953–1956: Herlinde Nießen
  • 1957–1959: Annemarie Reidt
  • 1960–1963: Ute Groß
  • 1964–1965: Ingrid Lauth
  • 1966: Doris Zinken, Christa Schwartmann
  • 1967–1968: Gisela Becker
  • 1969: Christel Lennertz
  • 1970–1972: Dorothee Delhaes
  • 1973–1974: Marlies Meurer
  • 1975: Leo Hösch
  • 1976–1980: Renate Pomp
  • 1981–1983: Tanja Link
  • 1984–1987: Lydia Oeynhausen
  • 1988–1989: Kirsten Schön
  • 1990–1996: Gaby Ospel
  • 1997–1999: Angelina Schumacher
  • 2000–2002: Lydia Bongard
  • 2002–2005: Katharina Lüth
  • 2006–2010: Simone Löhr
  • 2010–2015: Sabrina Kreitz
  • 2016–2019: Eva Schulz
  • 2020–2021: Svenja Schicka
  • 2022–2024: Lena Meyer
  • seit 2025: Anna Kühnpast

Tanzoffiziere:

  • 1932: Adolf Creutz
  • 1933–1948: Ferry de Fries
  • 1949–1955: Dieter de Fries
  • 1956–1959: Friedel Göbblels
  • 1960–1963: Leo Hösch
  • 1964–1966: Rolf Delsemmé
  • 1967–1973: Leo Hösch
  • 1974–1975: Hans Cönzer
  • 1988–1989: Dirk Hösch
  • 2009–2010: Julian Wahlen

Stadtkommandanten:

  • 1932–1933: Franz Schuhmacher
  • 1934–1948: Adolf Creutz
  • 1949–1962: Ferry de Fries
  • 1963–1972: Heinrich Weber
  • 1973–1995: Dieter de Fries
  • 1996–2007: Dr. Helmut Schroeder
  • 2008–2009: Heinz Kaesmacher
  • 2010–2017: Dr. Rüdiger Fröschen
  • 2018–2022: Daniel Heinrichs
  • seit 2023: Dirk Nolte

Prinzengardisten haben ein besonders “inniges” Verhältnis zu Karneval. Ihr hohes Ziel ist, auch einmal im Leben das närrische Zepter in ihrer Vaterstadt zu schwingen. So sind aus der Prinzengarde zahlreiche närrische Herrscher hervorgegangen, die unseren Karneval als “Glanzlichter” schmückten und vielen Menschen Freude brachten.Insgesamt waren es 23 Prinzen:

  • 1957: Hugo I. – Hugo Willmars jun.
  • 1962: Joe III. – Josef Schmitz
  • 1965: Günter I. – Günter Enders
  • 1966: Kurt I. – Kurt Leufgens
  • 1967: Rolf I. – Rolf Winkhold
  • 1969: Dieter II. – Dieter de Fries
  • 1971: Ludwig I. – Ludwig Philippi
  • 1973: Rüdiger I. – Rüdiger Nolte
  • 1974: Heinz IV. – Heinz Kaesmacher
  • 1981: Leo I. – Leo Hösch
  • 1982: Uli I. – Uli Deuster
  • 1984: Dirk-Uwe I. – Dirk-Uwe Steinhagen
  • 1986: Rolf II. – Rolf Meyer
  • 1988: Horst II. – Horst Zimmermann
  • 1992: Arndt II. – Arndt Vroomen
  • 1994: Dieter III. – Dieter Lavalle
  • 1996: Volker I. – Volker Strauff
  • 1998: Carl August I. – Dr. Carl August Günther
  • 2001: Jürgen I. – Jürgen Harperscheidt
  • 2002: Rüdiger II. – Dr. Rüdiger Fröschen
  • 2013: Daniel I. – Daniel Heinrichs
  • 2014: Edilio I. – Edilio Gonzales
  • 2019: Ecki I. – Eckhard Braun

Zurück in die Geschichte

Nach der Session 1962 gab Ferry de Fries sein Amt als Stadtkommandant ab – damit verabschiedete sich ein großartiger Karnevalist von der Bühne des Frohsinns. Zwei Jahre später trugen wir ihn zu Grabe.

Der langjährige Adjutant des Stadtkommandanten und Mitbegründer der Prinzengarde, Heinrich Weber, übernahm 1962 den Marschallstab. Er führte die Prinzengarde in straffer und fröhlicher Art bis 1972, um dann den Stab an Dieter de Fries, den Sohn von Ferry, weiterzureichen.

50 Jahre aktives Karnevalsleben lohnte die Garde dem scheidenden Stadtkommandanten mit der Ernennung zum „Ehrenkommandanten auf Lebenszeit“.

Jubiläen und närrische Höhepunkte

In besonderer Weise wurden die Jubiläen der Garde begangen. Unvergessen sind die Feste zur 3×11-Feier im Jahre 1965, dem 40-jährigen Jubiläum 1972, dem 4×11-jährigen 1976, 50 Jahre Prinzengarde 1982 und 5×11 Jahre im Jahre 1987.

Die Garde unter der Regie ihres Kommandanten lud zu fröhlichem Beisammensein aller Freunde (und Freundinnen) ein. Die Frühschoppen in der Stadthalle – die bis in den Abend dauerten – waren karnevalistische Höhepunkte, die für alle, die dabei waren, unvergessen bleiben dürften.

Bei diesen Anlässen wechselten die Gardisten ihre Uniformen in andere lustige Kostüme, so u.a. als Rekruten aus der Kaiserzeit. Unter rauschendem Beifall legten sie vollendete närrische Darstellungen aufs Parkett, nahmen sich und andere auf die Schippe und „exerzierten“ den allseits beliebten Volkskarneval.

So entstanden auch Ende der 70er Jahre die „Altstadt-Brasseler“, die über mehrere Sessionen das urwüchsige Leben und die Originale in unserer Stadt auf den Galasitzungen der „Ersten Großen“ vorführten.

Geselligkeit außerhalb der Session

Auch außerhalb der närrischen Zeit pflegt die Garde Geselligkeit und Frohsinn. Zum festen Repertoire gehört die jährliche „Nachtübung“, ein Ereignis, das meist außerhalb unserer Stadtmauern stattfindet. Sportliche oder kulturelle Veranstaltungen bilden dabei den äußeren Rahmen.

Auch die Krönung des „Maibocks“ – in Ermangelung einer Königin – hat über Jahre in der Nacht zum 1. Mai viele lustige Stunden beschert.

Die Damen unserer Gardisten wurden ebenfalls in das närrische Geschehen einbezogen. Bei fast allen Rosenmontagszügen sind sie in schönen und sinnigen Kostümen vertreten, und einmal im Jahr ist eine Wochenendfahrt unseren lieben Frauen gewidmet.

Auch in der Ferne unternahm die Prinzengarde mehrtägige närrische Ausflüge, z. B. nach Amsterdam.

Besondere Ereignisse

Im November 1995 besuchte die Garde unsere Partnerstadt in Stolberg/Harz und eröffnete dort am 11.11. auf dem Marktplatz „in vollem Ornat“ mit den Karnevalisten aus Schwenda die närrische Zeit. Die Veranstaltung fand großes öffentliches Interesse und wurde vom Mitteldeutschen Rundfunk live übertragen.

Die Kameradschaft innerhalb der Garde wird kontinuierlich gepflegt – sei es beim monatlichen Treff, bei runden Geburtstagen oder anderen freudigen Ereignissen. Zahlreiche Freundschaften sind entstanden, die auch in die private Sphäre reichen.

Am 16. November 1996 wurde das traditionsreiche Lokal „Zum Postwagen“ zum ständigen Treffpunkt der Garde erklärt. Seitdem ziert eine kupferne Platte mit der Aufschrift: „Wachlokal der Leibgarde Sr. Tollität“ die beliebte Gaststätte.

Generationenwechsel

Der 17. November 1995 war ein denkwürdiger Tag: Dieter de Fries übergab den Kommandostab an Dr. Helmut Schroeder. 23 Jahre hatte „osse Dieter“ diesen Stab geschwungen und der Garde neue Akzente und Glanzpunkte verliehen.

Ein großer karnevalistischer Zapfenstreich auf der Stolberger Burg war die außergewöhnliche Ehrung für einen verdienten Karnevalisten.

1996 feierte die Gesellschaft ein einmaliges Ereignis: Heinrich Weber, Mitbegründer, Gründungsmitglied und Ehrenkommandant, wurde 90 Jahre

Seit dem Jahr 2019 werden Persönlichkeiten, die sich außerordentlich für den Erhalt und den Zusammenhalt der Prinzengarde einsetzen, mit dem Verdienstorden der Prinzengarde ausgezeichnet. Dieser ist optisch an den Halsorden der Leibgarde angelehnt und wird als Spange verliehen.

Ausgezeichnete Persönlichkeiten

2019 Kurt Strauff
2019 Horst Reidt
2021 Uschi Breier
2022 Daniel Heinrichs
2024 Serkan Sistermanns

Gedenken an unsere Freunde

In einer Truppe von durchschnittlich 30 Männern – altersmäßig gemischt – gibt es auch traurige Ereignisse. So soll an dieser Stelle der Freunde gedacht sein, die uns in den letzten Jahren für immer verlassen haben:

  • 1992: Oberfeldkoch Günther Kutschbach
  • 1995: Generalleutnant Alexander Orgeig
  • 1998: Generalmajor Wienand (Bub) Delsemme
  • 1999: Ehrenkommandant Heinrich Weber
  • 2001: Hauptmann und Regimentsschreiber Walter Vockenberg
  • 2014: Generalleutnant Bruno Orgeig
  • 2015: General und Ehrenkommandant Dieter de Fries
  • 2015: Generalleutnant Rolf Grümmer
  • 2016: Ex-Tollität v.1967 und Ex-Mitglied aller 3 Formationen Rolf Winkhold
  • 2016: General und Ex-Kommandant Heinz Kaesmacher
  • 2016: Generalmajor und Ehrengardist Rüdiger Nolte
  • 2018: Generalleutnant Leo Hösch
  • 2019: Ehrengardist Horst Reidt
  • 2022: General und Ehrenkommandant Dr. Helmut Schroeder
  • 2023: Major Günther Josten
  • 2024: General und Ehrengardist sowie Prinzenadjutant (1975–1995) Kurt Leufgens
  • 2025: Oberstleutnant Dieter Lavalle
Sie waren uns alle liebe Freunde und bei unseren Treffen wird oft von ihnen gesprochen, dann sind sie in Gedanken immer bei uns.

Die Prinzengarde im Jahr 2025

Im Jahr 2025 umfasst die Prinzengarde 19 aktive Offiziere, 5 Offiziere der Reserve und 7 Ehrengardisten. Beruflich und altersmäßig ist die Garde sehr gemischt – fast ein Spiegelbild der sozialen Struktur unserer Stadt.

Doch in der Garde gibt es keinen Unterschied zwischen arm und reich, zwischen „großen und kleineren Leuten“ – denn unter Freunden zählen andere Werte.

Seit dem Jahr 2025 wird die Garde um eine aktive Frauen-Tanzgarde verstärkt. Diese steht unter der Führung der Prinzengarde und befindet sich aktuell im Aufbau.

Willkommen sind Frauen und junge Mädchen ab 16 Jahren, die sich gerne dem traditionellen Gardetanz verpflichtet sehen und Teil dieser lebendigen Gemeinschaft werden möchten.